Der Impfschaden oder . Am
ersten Dezemberwochenende 2005 holte ich meine Zweithündin Kimmi „vom
Schäfer“. Sie war eine zwar schüchterne, aber muntere und verspielte 14
Monate alte Hündin und wirkte sehr aufgeschlossen. Bis… ja, bis ich
nach einer Woche auf die fatale Idee kam, sie impfen zu lassen. Ich
halte zwar seit Jahren nichts von der jährlichen Impfdröhnung, aber da
Kimmi bislang überhaupt noch nicht geimpft war, dachte ich, eine
Grundimmunisierung wäre sinnvoll… Am Freitag, dem 09.12.05, bekommt Kimmi also die Impfung. Die
Tierärztin lobt freudig, wie ruhig und gelassen sich Kimmi gibt. Am
Sonntag bemerke ich zum ersten Mal, daß Kimmi manchmal beim Stehen ein
Bein hochzieht. Das verschlimmert sich täglich, bis sie am Mittwoch
kaum noch laufen kann. Ich lasse sie in der Tierklinik untersuchen, die
Gelenke werden abgetastet und geröntgt. Es gibt keinen Befund, obwohl
der Hund offensichtlich sehr starke Schmerzen hat. Ich werde mit
Traumeeltabletten und der Diagnose „vermutlich irgendwie vertreten“
nach Hause geschickt. Die
Tierärztin ist erschrocken über Kimmis kläglichen Zustand und gibt ihr
als Sofortmaßnahme Elektroakupunktur, was der Hündin sichtlich gut
bekommt. Weiter pendelt sie ihr ein homöopathisches Mittel aus, mit dem
es ihr bis spätestens Montag deutlich besser gehen soll. Am
Montag geht es Kimmi tatsächlich bedeutend besser. Sie nimmt wieder
Anteil an der Umwelt, kann sogar wieder gehen. Körperlich geht es ihr
von Stunde zu Stunde besser. Psychisch hat sie jedoch
einen „Knacks“ bekommen. War sie vorher zwar schüchtern, aber gelassen,
wirkt sie jetzt völlig verängstigt und scheu. Jedes laute Geräusch,
jeder Lichtreflex an der Wand lässt sie zusammenfahren. Die Tierärztin
erklärt, dass ein Impfschaden die Psyche eines Hundes zwar nicht völlig
„verdrehen“, aber latent vorhandene Züge drastisch verstärken kann. . Zweiter
Weihnachtsfeiertag, 10:00 Uhr morgens. Ich lasse die Hunde zum Pinkeln
in den eingezäunten Garten. Nur wenige Minuten später rufe ich sie
wieder rein. Jenna kommt, Kimmi nicht. Ich suche in jeder Ecke des
Gartens, in den Nachbargärten – Kimmi ist weg. Ich renne zum Auto, will
starten – es gibt keinen Mucks von sich, die Batterie ist leer.
Fluchend haste ich ins Haus zurück, ziehe mich warm an, nehme Jenna an
die Leine und wir machen uns zu Fuß auf die Suche. Mittlerweile hat ein
starker Schneefall eingesetzt, der jede evtl. vorhandene Spur im Nu
zuweht… Da
ich überhaupt keine Ahnung habe, in welche Richtung Kimmi gelaufen sein
könnte, laufe ich immer größer werdende Kreise. Zwischendurch alarmiere
ich die Polizei, das Tierheim und den Förster. Von Kimmi keine Spur.
Furchterregende Schneeräummaschinen schaufeln sich durch die Straßen.
Na toll, das ist ja für eine scheue Hündin genau das Richtige! Es
wird dunkel. Ein Mann mit Dackel erzählt mir, Kimmi sei ihm am Morgen
am Waldrand eine Zeitlang gefolgt, habe sich aber nicht anfassen lassen
und sei dann irgendwann gegangen. . Gegen
18:00 Uhr ruft die Polizei an: Ein Mann hat sich gemeldet, der evtl.
einen „kleinen Schäferhund“ auf der waldnahen Landstraße angefahren
hat. Der Hund sei jedoch weggelaufen. Ohne
Frühstück – ich kriege nichts runter – mache ich mich mit Jenna am
nächsten Morgen wieder auf die Suche. Gegen Mittag trifft Tada mit
ihren Hunden ein und wir durchkämmen verschiedene Waldgebiete. Ohne
Erfolg. Kurz vor dem Dunkelwerden erreicht mich der Anruf eines Jägers,
Kimmi sei gerade von verschiedenen Leuten in Stadtnähe am Waldrand
gesehen worden. Ich renne so schnell wie möglich dort hin. Natürlich
ist der Hund längst über alle Berge, doch die Erzählungen der
Augenzeugen ergeben: Sie läuft schnell wie ein Pfeil, ist also
unverletzt! Sie hat versucht, der Straße, die vom Waldrand nach Hause
führt, zu folgen. Leider hat irgendetwas sie erschreckt und sie lief
zurück in den Wald. Gott, was bin ich froh, dass sie laufen kann! Den Abend verbringe ich damit, Suchplakate auszudrucken, mit denen ich bis spät Nachts die ganze Gegend „tapeziere“. . Mittwoch
morgen noch vor Sonnenaufgang postiere ich mich im Auto am Waldrand.
Man hat mir gesagt, Hunde laufen immer in Kreisen, also muß Kimmi
irgendwann dort wieder auftauchen. Da die Kreise immer größer werden,
kann das lange dauern, also habe ich zu Essen für Jenna und mich und zu
lesen dabei. Am frühen Nachmittag kann ich jedoch nicht mehr sitzen,
Jenna muß auch dringend raus, also beschließen wir, am Waldrand entlang
zu laufen. Ein Weg von ca. 15 Minuten. Als wir zurückkommen, spricht
mich eine Frau an, sie habe den Hund gesehen, der auf den Plakaten
abgebildet sei. „Ach, haben sie ihn wieder?“ fragt sie, auf Jenna
deutend. Ich erkläre, dass es zwei von der Sorte gibt und die eine noch
vermisst sei. Die Frau erzählt, ein Hund, der Jenna ganz ähnlich sah,
sei vor ca. 15 Minuten immer im Kreis schnüffelnd in dem Waldstück
(direkt vor meinem Auto!!!) herumgelaufen und dann wieder verschwunden.
Ich könnte schreien! Da sitze ich stundenlang auf meinem Posten und in
den paar Minuten, die ich weg bin, taucht Kimmi hier auf! So
geht es mir noch mehrmals. Beim Plakataufhängen erzählt mir ein
Passant, genau DEN Hund habe er gestern gesehen… Ich weiß schon nicht
mehr, ob ich das überhaupt glauben kann. . Donnerstag.
Wieder ein Tag, an dem ich von morgens bis abends mit Jenna auf der
Suche bin. Keine Spur von Kimmi, keine Zeugenberichte mehr. Manchmal knallt es laut. Samstag ist Sylvester und manche Leute können es anscheinend mal wieder nicht abwarten. Ich muß
Kimmi bis dahin gefunden haben! Wenn sie wegen der Böllerei in Panik
gerät und tiefer in die Wälder läuft, gibt es keine Chance mehr. Die
Gegend hier im Vorharz ist bergig/hügelig, bewaldet und sehr
unübersichtlich. Ein ideales Versteck für einen Hund – bis er einem
Jäger vor die Flinte läuft. . Samstag
nacht, Sylvester, 24:00 Uhr. Ich habe Kimmi immer noch nicht gefunden.
Es knallt und zischt um mich herum, ich sitze heulend vor dem PC und
schreibe mir meinen Frust in einem Hundeforum von der Seele. Ich
wundere mich noch, wie viele Leute um diese Zeit vorm Computer sitzen
und mir antworten. Eine Frau aus Hannover ist dabei, sie bietet mir
spontan ihre Hilfe an. Sie hat eine Deutsche Schäferhündin mit dem
Talent, vermisste Hunde aufzufinden. Sie hat schon einige gefunden und
Frauchen Jule hat sich intensiv mit Studien über das Verhalten
entlaufener Hunde beschäftigt. Wir verabreden uns und Jule kommt am
Neujahrstag mittags mit ihren beiden DSH zu mir. . . Ein
kurzer Umweg beim Förster auf dem Weg nach Hause klärt uns auf, weshalb
wir Kimmi (?) dort aufgestöbert haben: Dort liegt ein noch recht
frischer Rehaufbruch. Offensichtlich haben wir einen (meinen?) Hund
beim Fressen überrascht. . Gegen
1:00 Uhr nachts beschließen wir, schlafen zu gehen. Die DSH sind sehr
unruhig und Jule geht mit ihnen noch kurz vor die Tür, ich beziehe
derweil das Sofa für die Nacht. Ich will das Zimmer kurz durchlüften,
ziehe die Gardine vor der Terrassentür auf – und es trifft mich fast
der Schlag: da steht Kimmi vor der Tür! Ich lasse sie rein, sie gibt
sich sofort vertraut, begrüßt mich und Jenna freudig, lässt sich
durchknuddeln. Keine Spur mehr von dem scheuen „Wildhund“, den sie die
letzten Tage „gegeben“ hat. . Nach
ausgiebigem gemeinsamen Freudentanz beschließt Jule, noch in der Nacht
nach Hause zu fahren. Kimmi, die ziemlich abgemagert ist, schlägt
ordentlich beim Futter zu. Leider verträgt das der leere Magen nicht,
und sie saut mir über Stunden das Schlafzimmer ein. Das hört
typischerweise erst auf, nachdem ich das Zimmer mit alten Bettlaken und Zeitungspapier ausgelegt habe. Diese
Nacht wird wieder eine schlaflose Nacht, aber nicht mehr vor Angst. Bei
jeder kleinsten meiner Bewegungen, jedem Geräusch, steht Kimmi am Bett
und bohrt ihre Nase in meinen Körper. Scheint froh zu sein, wieder bei
mir zu sein, die Gute.
Ich werde niemals wissen, was die Suchhündin Kimmi „geflüstert“ hat.
Fest steht, daß Kimmi die ganze Woche über die Möglichkeit hatte,
Jennas und meinen Spuren zu folgen. Sie hat es aber erst nach der
Begegnung mit der Suchhündin getan! . Der
Grund, weshalb Kimmi weggelaufen ist, war wohl eine Bewegung (Staubtuch
ausschütteln o. ä.) in den Fenstern im 1. Stock, die sie aufgrund ihres
geschädigten Nervenkostüms in Panik versetzt haben muß. Es hat bis weit
in den Sommer hinein gedauert, bis sich Kimmi im Garten wohl fühlte,
ohne ständig ängstlich nach oben in die Fenster zu sehen. . Leider
hat Kimmis „Waldurlaub“ ein Nachspiel. Sie hat in der Zeit das Jagen
(oder zumindest das Hetzen) gelernt, so daß ich sie im Wald nicht mehr
ableinen kann. . Mit
diesem Abenteuer konnte die „Akte Impfschaden“ leider nicht als
abgeschlossen betrachtet werden. Kimmi bekam noch im Januar den
nächsten Schub, den übernächsten im Februar usw. Die ersten 5 Schübe
waren durch Fieber, starke Schmerzen und Bewegungsbeeinträchtigung
gekennzeichnet. Mit der Zeit ließ die Stärke der Symptome immer mehr
nach und die Abstände der Schübe vergrößerten sich. Doch Kimmi ist nach
mitterweile fast 1 ½ Jahren noch immer nicht die Alte, wird es
vielleicht nie wieder sein. Die „Schübe“ äußern sich jetzt eher in
verstärkter Ängstlichkeit, wobei nicht klar ist, ob es rein psychisch
ist oder evtl. durch plötzliche Schmerzattacken verursacht. . Fazit:
Ich würde jedem Hundebesitzer raten, nicht mehr so sorglos zu impfen.
Mittlerweile haben mir noch einige andere Hundehalter von Impfschäden
ihrer Vierbeiner erzählt. Es scheint also nicht so selten zu sein, wie
die Schulmedizin uns weis machen will. Die Symptome sind
außerordentlich vielfältig und sie können sofort nach der Impfung oder
erst Monate später einsetzen. Manche Hunde wurden jahrelang
schulmedizinisch mit Cortison und anderen „Hämmern“ erfolglos
behandelt, bis naturheilkundliche TÄ endlich die richtige Diagnose
stellten. Ich möchte nicht wissen, wie viele Hunde abgegeben oder gar
eingeschläfert werden, wenn sie sich plötzlich im Wesen verändern und
das nicht als Impfschaden erkannt wird. . An
dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei all denen
bedanken, die mich bei der Suche nach Kimmi unterstützt haben.
Ein Krimi mit Kimmi von Britta Leinemann 
Kimmis Zustand verschlechtert sich
allerdings dramatisch, sie bekommt hohes Fieber. Am Freitag kann sie
überhaupt nicht mehr stehen, liegt nur noch apathisch herum. Meine
Verdachtsdiagnose „Impfschaden“ wird in der Tierklinik mit der
Bemerkung „das hätte dann sofort einsetzen müssen“ weggewischt.
Schulmediziner sind mir offensichtlich keinerlei Hilfe in dieser Sache.
Also wende ich mich an eine naturheilkundliche Tierärztin.
Mir wird schlecht. In
Gedanken sehe ich meine kleine Hündin verletzt und sterbend in einem
Graben liegen. Zusammen mit Bekannten suche ich mit Taschenlampen die
Gegend rund um die Landstraße ab. Nach Mitternacht geben meine
Bekannten auf, ich suche weiter bis 2:00 Uhr, dann muß auch ich
aufgeben. Schlafen kann ich diese Nacht nicht. Die Temperaturen draußen
sind – 20 °C, Bilder von einer verletzten und erfrierenden Kimmi
geistern in meinem Kopf herum, ich sehe sie von Wildschweinen
zerrissen… Trotz der warmen Bettdecke friere ich erbärmlich – es sind
die Nerven.
Kurz
darauf erreicht mich ein Anruf, ein Hund wurde allein auf den Feldern
im Süden der Stadt gesehen. Ich fahre sofort hin, dort ist natürlich
kein Hund mehr zu sehen.
Wir
gehen nachmittags in den Wald. Es dämmert bereits, da schießen
plötzlich die beiden DSH und Jenna bergauf in den Wald. Man hört das
Verteidigungsgebell eines vierten Hundes. Das muß Kimmi sein! Jenna
kehrt schnell zurück, danach die eine DSH. Doch die Suchhündin bleibt
verschwunden. Ca. 40 Minuten lang. Dann pfeift die zunehmend unruhig
werdende Jule ihre Hündin zurück. Die Hündin kommt. Sie bleibt in
einiger Entfernung stehen und zeigt durch unschlüssiges Hin- und
Herlaufen und Blicke in Richtung Wald, dass sie ihre Aufgabe noch nicht
als beendet ansieht. „ Wir können nicht gehen, der vermisste Hund
steckt da noch im Wald“ könnte sie sagen – und ich denke, ich bin in
einem Lassie-Film…